Finanzen in der Partnerschaft: So regelst du den Care-Ausgleich ohne Streit (und mit kühler Logik)
„Schatz, können wir mal über Geld reden?“ – Dieser Satz löst in vielen Partnerschaften sofort Abwehrreflexe aus.
Er klingt nach Vorwurf, nach „wer hat was bezahlt“ und nach mangelndem Vertrauen. Besonders wenn es um den Ausgleich für Sorgearbeit (Care-Arbeit) geht, fühlen sich Männer oft angegriffen („Ich bringe doch das Geld nach Hause!“) und Frauen fühlen sich wie Bittstellerinnen, die für ihre Zeit mit den Kindern „Gehalt“ fordern.
Als ehemalige Lehrerin für Rechnungswesen sage ich dir: Hör auf, emotional zu argumentieren. Fang an, zu bilanzieren.
In einer Partnerschaft seid ihr ein wirtschaftliches Team, ein „Joint Venture“. Wenn einer von euch (meist die Frau) beruflich kürzertritt, um die Kinder zu erziehen oder den Haushalt zu organisieren, ist das kein Privatvergnügen. Es ist eine Management-Leistung, die dem anderen Partner den Rücken für seine Karriere freihält.
Der Experten-Begriff: Verstehe deine Opportunitätskosten
Um das Gespräch zu Hause auf ein sachliches Level zu heben, müssen wir über Opportunitätskosten sprechen.
Einfach erklärt: Opportunitätskosten sind der Preis, den du zahlst, weil du dich für eine Sache entschieden hast und dadurch eine andere Chance verpasst.
Wenn du für die Familie 50 % arbeitest, sind deine Opportunitätskosten nicht nur das halbe Gehalt, das dir jetzt fehlt. Es sind auch:
- Die Rentenpunkte, die du nicht sammelst.
. - Die Karriereschritte (Beförderungen), die du verpasst.
. - Der Zinseszinseffekt auf das Geld, das du hättest investieren können.
Deine Care-Arbeit ist die Subvention für die Karriere deines Partners. Ohne deinen Einsatz könnte er keine Überstunden machen oder sich voll auf den nächsten Karriereschritt konzentrieren. Ein fairer Care-Ausgleich ist also kein „Geschenk“ an dich, sondern die Rückzahlung einer Investition, die du in das gemeinsame Unternehmen „Familie“ tätigst.
Finanzwissen ist wie Lesen lernen
Wusstest du, dass die meisten Frauen in meinem Kurs schon nach der ersten Woche feststellen: „Das ist ja gar kein Hexenwerk!“?
Finanzen sind wie eine neue Sprache. Im Newsletter „Frauen Finanz Stories“ erzähle ich dir, wie du die ersten Vokabeln lernst.
Die Lösung: Das 3-Konten-Modell + Dein eigenes ETF-Depot
Wie sieht ein gerechtes System in der Praxis aus? Ich empfehle in meinen Beratungen das 3-Konten-Modell in Kombination mit einer privaten Vorsorge.
1. Das Gemeinschaftskonto
Hier gehen alle Fixkosten ab (Miete, Lebensmittel, Kinderkosten). Beide zahlen ein – idealerweise prozentual nach Einkommen, nicht 50/50, wenn die Gehälter stark variieren.
2. Die zwei privaten Konsumkonten
Jeder Partner behält ein eigenes Konto für persönliche Ausgaben (Hobbys, Geschenke). Das erhält die Autonomie.
3. Der Care-Ausgleich (Dein persönliches Depot)
Das ist der entscheidende Punkt: Solange du weniger arbeitest, zahlt der Partner einen festen, gemeinsam vereinbarten Betrag auf dein eigenes ETF-Depot.
Warum muss das Depot auf DEINEN Namen laufen?
Ein Einzeldepot ist rechtlich dein Eigentum, und nur du entscheidest über Einzahlungen, Anlagen und Entnahmen.
Ein Depot auf deinem eigenen Namen zu haben, ist ein wichtiger Baustein für deine finanzielle Unabhängigkeit – selbst wenn du verheiratet bist. Es gehört rechtlich dir, du triffst die Anlageentscheidungen und du baust damit ganz konkret eigenes Vermögen auf, das nicht „über seinen Kopf“ läuft.
In einer Ehe mit Zugewinngemeinschaft kann es zwar sein, dass im Trennungsfall ein Teil des Wertzuwachses deines Depots über den Zugewinnausgleich berücksichtigt wird.
Entscheidend ist aber die Gesamtbilanz: Wenn dein Mann deutlich mehr verdient und typischerweise auch mehr Vermögen aufbaut, ist es meist eher sein Zugewinn, der ausgleichspflichtig wird – nicht deiner.
Gerade bei ungleichen Einkommen gilt deshalb: Ein Depot auf deinem Namen ist kein Risiko, sondern eine Chance. Es erhöht deine Eigenständigkeit, deine Verhandlungsmacht und deine Sicherheit – und die Wahrscheinlichkeit, dass du „viel davon abgeben musst“, ist in klassischen Konstellationen mit höherverdienendem Partner eher gering.
Fallbeispiel: Die „Logik-Rechnung“ eines Paares
Nehmen wir ein typisches Paar:
- Er (Vollzeit): 4.500 € Brutto. Er zahlt voll in die Rentenkasse ein und hat Überschuss für private Investments.
. - Sie (Teilzeit 50 %): 1.800 € Brutto. Sie sammelt kaum Rentenansprüche und am Ende des Monats bleibt nach den Einkäufen für die Kinder nichts übrig.
Ohne Ausgleich wächst sein Vermögen stündlich, während ihres stagniert.
Nur ein Jahr 50-Prozent-Teilzeit klingt harmlos – ist es aber nicht. Bei einem Vollzeitgehalt von 4.500 € brutto und einem Teilzeitgehalt von 1.800 € brutto sammelt er derzeit etwa 1,07 Rentenpunkte im Jahr, sie nur rund 0,43. Das sind jedes Jahr etwa 0,64 Rentenpunkte weniger für sie.
Ein Rentenpunkt ist aktuell rund 40 € Monatsrente wert. 0,64 Punkte entsprechen also etwa 25–30 € weniger Rente pro Monat – für jedes einzelne Jahr in Teilzeit. Nach zehn Jahren summiert sich das auf ungefähr 260 € weniger Monatsrente – lebenslang.
Diese Lücke entsteht nicht zufällig, sondern weil sie einen großen Teil der unbezahlten Care-Arbeit übernimmt: Kinder, Haushalt, Organisation.
Nur dadurch kann er überhaupt problemlos Vollzeit arbeiten, Karriere machen und sein eigenes Rentenkonto füllen.
Sie trägt die unsichtbare Arbeit, er profitiert von stabilen Arbeitszeiten, weniger mental load und einem stetig wachsenden Anspruch auf Altersversorgung.
Die logische Antwort des Paares wäre:
Sie rechnen die Rentenlücke grob aus und vereinbaren, dass er einen festen Betrag – zum Beispiel 150 oder 200 € im Monat – in ihren ETF-Sparplan einzahlt.
Dieses Geld kommt aus dem gemeinsamen Familieneinkommen und wird bewusst in ihre Zukunft umgeleitet.
Es ist kein „Extra“ von seinem Privatgeld und ganz sicher kein Taschengeld, sondern ein fairer Ausgleich dafür, dass sie seine Vollzeitkarriere erst möglich macht – und dafür mit eigenen Rentenpunkten bezahlt.
Warum „etwas“ immer besser ist als „nichts“
Viele Frauen sagen mir: „Mein Mann kann sich keine 200 € zusätzlich leisten.“
Der Denkfehler steckt schon in diesem Satz: In einer Familie gibt es in der Regel kein „sein Geld“ und „ihr Geld“, sondern ein gemeinsames Familieneinkommen, das von beiden erwirtschaftet wird – er in Form von Erwerbsarbeit, sie in Form von Care-Arbeit.
Die Frage lautet also nicht: „Was kann er sich leisten?“, sondern: „Wie verteilt unsere Familie ihr gemeinsames Einkommen fair – heute und für die Zukunft?“
Mein Rat: Fangt mit 25 € oder 50 € an. Es geht um das Prinzip, die Anerkennung ihrer Arbeit und den Start des Zinseszinseffekts.
Schon ein kleiner Dauerauftrag in ihren ETF-Sparplan verschiebt die Logik im Kopf: Ein Teil des Familieneinkommens fließt bewusst in ihre eigene Altersabsicherung, statt stillschweigend in seine Karrierevorteile.
Sobald die Hemmschwelle gefallen ist und das erste eigene Depot eröffnet ist, wächst das Verständnis für die Notwendigkeit meist von ganz alleine – und oft auch die Bereitschaft, den Betrag später schrittweise zu erhöhen.
FAQ: Finanzen in der Partnerschaft
Gilt das auch, wenn wir nicht verheiratet sind?
Gerade dann! Ohne Trauschein gibt es keinen gesetzlichen Versorgungsausgleich. Wenn ihr nicht verheiratet seid und du Care-Arbeit leistest, ist ein privater Vertrag oder ein direkter Ausgleich in ein Depot absolut überlebenswichtig für dich.
Ist das nicht unromantisch?
Ist es romantisch, im Alter Pfandflaschen zu sammeln, während der Ex-Partner eine gute Rente genießt? Wahre Liebe schließt wirtschaftliche Fairness mit ein. Wer sich liebt, sorgt dafür, dass es dem anderen auch im Falle einer Trennung oder im Alter gut geht.
Wie berechne ich den genauen Betrag?
Es gibt Tools und Rentenrechner, aber oft reicht eine einfache Orientierung an den Rentenpunkten oder dem entgangenen Netto-Einkommen. Wichtig ist der Konsens als Paar.
Dein Meisterstück: Die Finanz-Verhandlung sicher führen
Im März gibt es den Equal Pay Day. Ein Tag, der uns daran erinnert, dass wir für unsere Arbeit – auch die unbezahlte – endlich fair entlohnt werden müssen.
In meinem Kurs, der im März startet, machen wir dieses Thema zu deinem persönlichen „Meisterstück“. Du lernst die Zahlen so sicher zu beherrschen, dass du die Verhandlung zu Hause ganz ohne Tränen oder Vorwürfe gewinnst. Du wirst die Fakten präsentieren wie eine Profi-Geschäftsführerin – ruhig, klar und unschlagbar logisch.
Bist du bereit, die Fairness in dein Leben zu holen?
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Deine Alexandra Graßler – Mentorin für Frauen, die ihre Zukunft selbst gestalten.