Die fleißigste Sparerin im Raum
In einem meiner ersten Kurse saß eine Frau, die mir am Ende der Einheit ans Herz gegangen ist. Sie hatte jahrelang gespart. Jeden Monat, konsequent, ohne Ausnahmen. Kein teurer Urlaub, keine großen Anschaffungen. Immer zuerst auf das Konto, dann der Rest.
Und trotzdem reichte es nicht.
Nicht weil sie etwas falsch gemacht hatte. Sondern weil ihr niemand gesagt hatte, dass Sparen und Vermögensaufbau zwei verschiedene Dinge sind.
Das ist kein Einzelfall. Das ist die Geschichte von unglaublich vielen Frauen in Deutschland.
Was Sparen wirklich bedeutet – und was nicht
Sparen heißt: Du legst Geld zur Seite. Es liegt da. Es wartet.
Investieren heißt: Du schickst dein Geld los. Es arbeitet. Es vermehrt sich.
Der Unterschied klingt simpel. Aber die Konsequenz ist gewaltig.
Stell dir vor, du legst heute 1.000 Euro auf dein Tagesgeldkonto und lässt sie dort zwanzig Jahre liegen. Gleichzeitig steigt das allgemeine Preisniveau jedes Jahr um nur zwei Prozent – eine sehr moderate Annahme. Was heute 1.000 Euro wert ist, kostet in zwanzig Jahren rund 1.485 Euro.
Auch wenn dein Konto mehr als 1.000 € durch die mageren Zinsen enthält. Die Kaufkraft darunter hat sich still und leise verabschiedet.
Das ist keine Theorie. Das erleben wir gerade alle in Echtzeit – an der Tankstelle, im Supermarkt, beim Bäcker.
Warum das kein persönliches Versagen ist
Uns wurde beigebracht, sparsam zu sein. Nicht investitionsfreudig, nicht risikobereit – sparsam. Das Sparbuch oder ein Tagesgeldkonto war die solide, vernünftige, sichere Wahl. Und wer nicht gespart hat, war unverantwortlich.
Dieses Narrativ sitzt tief. Ich begegne ihm in jedem Kurs, bei Frauen egal ob 30 oder 65. Und ich verstehe es.
Das Problem ist: Die Welt, für die dieses Narrativ gemacht wurde, gibt es so nicht mehr. Zinsen auf Sparkonten, die die Inflation ausgleichen? Gibt es so gut wie nicht mehr. Renten, die reichen? Für viele Frauen nicht. Ein Arbeitsmarkt, der uns gleich behandelt? Noch nicht.
Was bleibt, ist das Depot.
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Im Newsletter „Frauen Finanz Stories” erkläre ich dir die Mechanik des Vermögensaufbaus – ohne Finanzjargon, ohne Verkaufsdruck.
Aber ist Investieren nicht viel riskanter als Sparen?
Kommt darauf an, wie du Risiko definierst.
Das Risiko beim Sparen ist leise. Du verlierst kein Geld auf dem Kontoauszug. Aber du verlierst Kaufkraft – jeden Monat, unbemerkt, unaufhaltsam. Das ist ein Risiko, das sich nicht rot färbt. Deshalb nehmen wir es nicht ernst.
Das Risiko beim Investieren ist laut. Kurse fallen, Schlagzeilen erschrecken, das Depot sieht kurzzeitig rot aus. Das fühlt sich schlimmer an – obwohl es das langfristig oft nicht ist.
Wer breit gestreut in einen weltweiten ETF investiert und einen langen Anlagehorizont hat, hat historisch gesehen in fast jedem 15-Jahres-Zeitraum Geld verdient. Nicht gewonnen. Verdient. Als wäre Geldanlegen eine Art stille Arbeit, die im Hintergrund läuft.
Das bedeutet nicht, dass es keine schlechten Jahre gibt. Die gibt es. Aber wer langfristig denkt, sitzt sie aus.
Ein Brief an dein zukünftiges Ich
Ich mache in meinen Kursen manchmal eine Übung, die merkwürdig klingt, aber wirkt.
Ich bitte die Teilnehmerinnen, sich ihre zukünftige Version vorzustellen. In zwanzig, dreißig Jahren. Wie lebt sie? Wovon? Macht sie sich Sorgen um Geld – oder nicht?
Diese Frau existiert noch nicht. Aber sie wird existieren. Und alles, was du heute entscheidest, entscheidet mit darüber, wie ihre Geschichte ausgeht.
Investieren ist keine Ausgabe. Es ist eine Zahlung an dich selbst – an die Version von dir, die eines Tages nicht mehr arbeiten kann oder will.
Was wir in der Frauenfinanzschule konkret machen
In der Frauenfinanzschule starten wir mit dem Grundlagenkurs. Nicht mit Theorie um der Theorie willen – sondern ganz praktisch.
Wir berechnen deine persönliche Rentenlücke. Wir schauen uns an, wie ein ETF-Sparplan funktioniert, und was er langfristig leisten kann. Und wir klären, was du heute wirklich auf dem Tagesgeldkonto lassen solltest – und was lieber ins Depot gehört.
Deine Alexandra Graßler – Mit Logik und Herz zu deiner finanziellen Unabhängigkeit
FAQ: Häufige Fragen zu Sparen und Investieren
Was ist der Unterschied zwischen Sparen und Investieren?
Beim Sparen legst du Geld zurück, ohne dass es aktiv für dich arbeitet – zum Beispiel auf einem Tagesgeldkonto oder Sparbuch. Beim Investieren setzt du Geld ein, um eine Rendite zu erzielen – zum Beispiel durch den Kauf von ETFs, also börsengehandelten Indexfonds. Der entscheidende Unterschied: Investiertes Geld hat die Chance, die Inflation zu schlagen. Gespartes Geld oft nicht.
Soll ich aufhören zu sparen, wenn ich anfange zu investieren?
Nein. Sparen und Investieren schließen sich nicht aus – sie ergänzen sich. Als Faustregel gilt: Drei bis vier Monatsgehälter als Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto halten, alles darüber hinaus langfristig investieren. Der Notgroschen ist dein Sicherheitsnetz. Das Depot ist dein Vermögensaufbau.
Wie viel Geld brauche ich, um mit dem Investieren anzufangen?
Weniger als die meisten denken. Viele Broker ermöglichen es, bereits ab 25 Euro im Monat in einen ETF-Sparplan einzuzahlen. Es geht nicht darum, den perfekten Zeitpunkt abzuwarten oder erst eine große Summe zusammenzusparen. Es geht darum, anzufangen – auch mit kleinen Beträgen.
Was passiert mit meinem Geld, wenn die Kurse fallen?
Kursschwankungen gehören zur Börse dazu. Wer langfristig investiert – also mit einem Zeithorizont von zehn Jahren oder mehr – hat historisch gesehen fast immer profitiert, auch wenn es zwischendurch Phasen mit fallenden Kursen gab. Der Fehler passiert nicht beim Investieren, sondern beim Verkaufen in Panik.
Was ist ein ETF und warum eignet er sich für Einsteiger?
ETF steht für Exchange Traded Fund – ein Fonds, der an der Börse gehandelt wird und einen Index nachbildet, zum Beispiel den MSCI World. Damit kaufst du mit einer einzigen Position Anteile an hunderten oder tausenden Unternehmen weltweit. Das reduziert das Risiko durch breite Streuung, ist kostengünstig und erfordert kein aktives Management. Deswegen ist ein breit gestreuter ETF für viele Frauen ein guter Einstieg.
Wie groß ist die Rentenlücke für Frauen in Deutschland?
Im Schnitt erhalten Frauen in Deutschland eine deutlich niedrigere gesetzliche Rente als Männer – unter anderem, weil sie häufiger in Teilzeit arbeiten, Fürsorgearbeit übernehmen und insgesamt niedrigere Löhne erhalten. Die konkrete Lücke ist individuell verschieden, aber die Tendenz ist eindeutig: Wer ausschließlich auf die gesetzliche Rente setzt, riskiert im Alter finanzielle Abhängigkeit. Private Vorsorge ist für die meisten Frauen keine Option, sondern Notwendigkeit.
Ab welchem Alter ist es zu spät, mit dem Investieren anzufangen?
Gar nicht. Natürlich ist früh besser als spät – der Zinseszinseffekt braucht Zeit.
Aber auch wer mit 45 oder 50 anfängt, kann in fünfzehn bis zwanzig Jahren noch echtes Vermögen aufbauen. Die schlechteste Entscheidung ist, gar nicht anzufangen, weil man denkt, es sei zu spät.